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am 17. Juli

Weil's halt regional ist...?

Barbara Czerny - Regional gefüttert

Letzens vor der Kühlvitrine eines Innsbrucker Geschäftes mit abgefüllten Joghurts im Glas: „Die schauen aber guat aus, kommen die direkt vom Bauern?“ will ein sichtlich interessierter Kunde wissen. Zur Beantwortung der Frage muss die Verkäuferin ein wenig ausholen – die eine Seite der Vitrine kommt nämlich direkt aus der (nicht wirklich nahe gelegenen) Sennerei, die andere Seite stammt aber schon vom Bauern. Dem Kunden passt die Antwort weniger, der optische Aufputz der Milchprodukte lässt nämlich auf familiäre Direktvermarktung schließen. Die Verkäuferin pariert jedoch gekonnt: „Bei uns kommt ́s halt auf die Regionalität an, das ist uns wichtig. Und das ist alles aus der Region.“

Regionalität sticht dieser Tage einfach alles. Da werden Produkte aus intensiv wirtschaftenden Milchviehbetrieben hochstilisiert, weil sie in der Region hergestellt werden.

Die Kühe dieser Betriebe sind aber allesamt Brasilianerinnen oder Rumäninnen, weil die eiweißhaltigen Futtermittel mit denen sie zu Hoch- und Höchstleistungen gepusht werden, importiert werden müssen. Mit dem unliebsamen Effekt, dass eben dort Menschen von ihrem Grund und Boden vertrieben werden, weil Agrarkonzerne riesige Flächen an Monokulturen von Futterpflanzen für unsere Landwirtschaft anbauen. Hierzulande Konferenzen, Think Tanks und Förderprogramme um den Erhalt der ländlichen Regionen zu gewährleisten, andernorts aber wird dieser ländliche Raum willentlich zerstört, um weiterhin an der Exportwirtschaft in der Agrarpolitik festhalten zu können. Ein Agrar- und Lebensmittelsystem, das auf Konkurrenz, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet ist, ruiniert (klein)bäuerliche Existenzen – über Grenzen hinweg. Die Hintergründe und Ursachen von Migration sind eng verwoben mit den Auswirkungen dieses Systems und als soziale Sprengkraft innerhalb der Gesellschaft für uns alle derzeit sehr gut spürbar.

Regionalität muss neu diskutiert werden und zwar unter geografischen Kriterien – sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung und vor allem bei der Verwendung von Futtermitteln: wie kann ein Produkt regional sein, wenn es vor seiner Herstellung bereits tausende Transportkilometer auf dem Buckel hat? Die Grünen Bäuerinnen und Bauern wollen einen Denkanstoß leisten, regional darf kein Persilschein für jedes dahinter stehende Produktionssystem werden, es gilt auch hier nachzufragen und genauer hinzusehen, denn: regional ist ganz sicher nicht das neue bio!


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