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am 21. März 2015

Weggabelungen in der Land­wirt­schaft

Katharina Stöckl - Persönliches einer "Grün gewordenen" Bäuerin

Seit mehr als zwanzig Jahren bewirtschafte ich gemeinsam mit meinem Mann einen Bauernhof (Ackerbau, Zucht- und Mastschweine) im Innviertel. Jeder Hof hat seine eigenen spezifischen Rahmenbedingung: Größe, Standort, bauliche Grundlage, finanzielle Voraussetzungen, mitarbeitende Familienmitglieder,… - So auch unserer. 

In den ersten Jahren standen die Gründung einer Familie und die Entwicklung des Betriebes mit damaligem Wissensstand im Vordergrund. Doch im Laufe der Zeit begann sich die Spirale immer schneller zu drehen. - Die Entwicklung der Fixkosten nach oben (z.B. erhöhte sich der SVB-Beitrag innerhalb von 10 Jahren bei gleichbleibender Betriebsgröße um 60%). Mein Mann ging zu dieser Zeit wieder Teilzeit arbeiten. Eine Entscheidung war fällig - es gab 3 Möglichkeiten: 

  1. verpachten: beide gehen arbeiten (zwei Menschen, deren Herz für die Landwirtschaft schlägt); 
  2. vergrößern: dazu pachten, Maschinenpark anpassen, Stall bauen, Fremdfinanzieren,… (wie groß? - wäre heute schon wieder zu klein); oder 
  3. neue Wege gehen. 
Neue Wege gehen 

Der neue Weg war 2008 die Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise, bei uns Ackerbau und Schweinehaltung. Die Investitionen gingen nun nicht in die Vergrößerung sondern in Richtung Qualität. 

Das Erwachen war groß. Zusätzlich zu den vielen fachlichen Informationen, die wir für die Umstellung brauchten, bekamen wir plötzlich Zugang zu Information größeren Zusammenhangs (z.B. Weltagrarbericht, Vorträge von UNO Mitarbeitern). Unsere Standesvertreter waren bei den Veranstaltungen immer anwesend, aber die Informationen, die sie an die Bauern und Bäuerinnen weitergaben, beschränkte sich meist nur auf den Titel der Veranstaltung und natürlich das gemeinsame Foto mit den vortragenden Persönlichkeiten. 

Hinterfragen und Rahmenbedingungen verbessern 

Wenn man mitbekommt (Vortrag von Dr. Häusler „Erster Entwurf zur neuen GAP Reform 2014-20), wie gute Vorschläge und Rahmenbedingungen aus Brüssel mit viel Spielraum für die einzelnen Regionen gezielt „abgemurkst“ werden und dann die Schuld nach Brüssel zurück katapultiert wird. Wenn aus dem Versprechen die Bürokratie zu vereinfachen, mit enormen Aufwand ein System entwickelt wird, das wir anscheinend trotz modernster Technik nicht mehr bewältigen können. Wenn das noch dazu kaum Verbesserungen für das betriebliche Einkommen zu Folge hat und leider nur bescheidene Verbesserungen für die Umwelt bringt. Und wenn uns all das so verkauft wird, als wäre alles nur zum Wohle unserer Bauern. Dann hab ich wieder 3 Möglichkeiten: 

  1. die Agrarpolitik links liegen lassen, im Rahmen der von ihr fabrizierten Bedingungen schön fleißig weitermachen, ein paar „neue Standbeine“ suchen um über die Runden zu kommen; 
  2. ich akzeptiere, dass alles andere schuld ist (Russlandkriese, Dürre, Quotenwegfall, Preise, aber ganz besonders „der Konsument“), so wie es mir jeden Tag suggeriert wird, und gebe mich mit der „Opferrolle“ zufrieden; oder 
  3. ich versuche vieles zu hinterfragen und an der Verbesserung der Rahmenbedingung mitzuwirken, in welcher Form auch immer. 
Frauenpower 

42 % der Höfe werden bereits von Frauen geführt. Es geht so viel Zeit drauf für die Suche nach dem schönsten Blumenschmuck oder dem besten Kuchen oder wer laut unterschiedlichster Auffassung nun wohl „die Innovativste“ von uns ist. Herzeigbäuerinnen-Wettbewerbe und Krönchenvergaben verbessern leider keine Rahmenbedingungen. Sie verzieren maximal im „Der Bauer“ die Politikherrschaft. Vermutlich dividiert uns das eher auseinander. Auf jeden Fall verstellt es uns manchmal den Blick aufs Wesentliche. Jede Arbeit der Bäuerinnen, ob sie dem wirtschaftlichen Wohl oder dem Gemeinwohl dient, hat seine Wirkung und verdient Wertschätzung. 

Miteinander 

Mein Vorschlag: „Red ma uns zam“. Alle Gesetze, Vorschriften, Verordnungen, etc. haben Wurzeln (meist gute) und sind von Menschen gemacht. Also haben wir auch das Recht, sie zu hinterfragen und gegebenenfalls darauf zu bestehen, dass diese weiterentwickelt werden. Für mich heißt das nicht „noch eins drauf setzen“, sondern durch Zeitgemäßes und Gerechteres zu ersetzen.

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