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am 25. April

TirolBerg – nur die Spitze des Eisberges

Barbara Czerny - Es ist nicht immer drin, was drauf steht. Tirol Werbung geht nicht auf, wenn Herkunftskennzeichnung nicht ernst genommen wird.

Die Wogen gingen im Land des Adlers ungemein hoch, als die Speisekarte des repräsentativen Schauhaues von Tirol während der Ski-WM in St. Moritz, eben des TirolBerg, publik wurde: dort gab es ein Seefelder Wildragout aus Ungarn, die Schnitzelsemmel aus Kroatien und das Innsbrucker Gröstel aus Deutschland zu bestellen.Bei aller landauf, landab übermäßig beschwörten und bis zum Anschlag ausgereizten Regionalitätsbeteuerung passiert der landesfinanzierten Tirol Werbung dieser Fauxpas – dank der gesetzlich verankerten schriftlichen Herkunftskennzeichnung von Lebensmittelzutaten in der Schweiz.​In einer Umfrage nach ihrem Nationalstolz gefragt, beantworten die ÖsterreicherInnen dies mit der wunderschönen Landschaft und den bewirtschafteten Bergregionen. Danach folgen sogleich regionale Lebensmittel und Spezialitäten, die österreichische Küche insgesamt. Diesen Stolz nach außen hin zu präsentieren, erfolgt offensichtlich mit unterschiedlicher Gewichtung – nach finanziellen Möglichkeiten und Absatzmärkten. Demnach ist die Blamage der Speisekarte im TirolBerg nicht wirklich eine, denn „die Schweiz sei ohnehin kein Abnehmer für die Produkte der AMT, zudem habe man der Tirol Werbung ein Angebot unterbreitet“, gab sich der GF der Agrarmarketing Tirol, Wendelin Juen, in einer ersten Stellungnahme gelassen.

 

​Dass die Tirol Werbung zur Bestreitung der Kosten um monetäre Spenden bei Wurst- und Fleischverarbeitern für den TirolBerg tirolweit bittet und dann mit diesem Geld billiges Fleisch via Großhändler aus ganz Europa bezieht, ist der eigentliche Wahnsinn an dieser Geschichte, aber dass der GF der AMT daran nichts Anstößiges findet, der weitere Skandal. Ist das die ständig bemühte „Qualität Tirol“ (ein Markenprogramm der AMT) wie sie in Wirklichkeit aussieht – statt ökosozialer Marktwirtschaft in kleinbäuerlichen Strukturen die industrielle Landwirtschaft in der Mogelpackung? ​Wie viel Fleisch aus heimischer, kleinstrukturierter Landwirtschaft findet sich in den „Bewusst Tirol“ gekürten Hotels, wie viel regional erzeugte Milch und Milchprodukte werden dort denn nun wirklich serviert?

 

Die Grünen Bäuerinnen und Bauern Tirols sehen den Vorstoß von LR Josef Geisler und LK-Präsident Josef Hechenberger hinsichtlich der Deklaration von Lebensmitteln in öffentlichen Küchen des Landes zwar positiv, fordern jedoch die konsequente Umsetzung der Lebensmittelherkunftskennzeichnung in Schlachthöfen, verarbeitenden Betrieben und Gasthäusern/ Hotels. Vorstellbar wäre ein mehrstufiges Konzept auf Grundlage einer bundesweiten Gesetzgebung und freiwilligen Erweiterungen mit speziellen Qualitätsprogrammen. Damit die Bauern und Bäuerinnen nicht nur LandschaftsgärtnerInnen für den Tourismus sind, sondern auch wieder ProduzentInnen wertvoller Lebensmittel. Ideologien dürfen eben bei Kostenersparnis nicht den TirolBerg hinunter rutschen. 



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