Bundesländergruene.at
Navigation:
am 15. Jänner

Regionalität in aller Munde

Grüne Bäuerinnen und Bauern - und wieviel davon steckt nun in unserem Schnitzel?

Im gut besuchten Hotel Tipotsch in Stumm trafen sich am 13. Jänner 2017 interessierte BäuerInnen, GastwirtInnen und KonsumetInnen, um regionale Fleischproduktion und -vermarktung in Tirol und im Zillertal zu diskutieren. Mit „Bio von Anfang an“ und „mehr Bio als die EU vorschreibt“, brachte Biometzger Anton Juffinger seine Philosophie und seinen Erfolg auf den Punkt. Die unbedingte Transparenz und Ernsthaftigkeit in allen Produktionsschritten sehen er und auch Christine Klenovec, Biosphärenparkmanagerin Großes Walsertal als zentrale Strategie, um „das nötige Vertrauen der Kunden langfristig zu sichern“.

Ein regionales Produkt in der Direktvermarktung aus landwirtschaftlicher Produktion ist zwar nie gleich, muss aber trotzdem Qualitätskriterien entsprechen, die das Vertrauen der KonsumentInnen erhält. Produktprämierungen und eine beständige Plattform wie ein Markt sind hier laut Georg Moser, Obmann des Bauernmarktes in Brixlegg, hilfreich und notwendig. Dabei dürfe es nicht um Ausgrenzung und Konkurrenzdenken gehen, sondern um ein möglichst vielfältiges Angebot für die KonsumentInnen. Mehrere SpeckproduzentInnen am gleichen Markt verbessern nach einschlägigen Erfahrungen in Brixlegg das Image, das Potential und die Umsätze.

Eine langfristige Entwicklung braucht zudem fixe Vertragspartnerschaften zwischen Landwirten und Unternehmen. Da sei man in Tirol noch weit davon entfernt, mögliches Potential auszuschöpfen und es fehle außerdem bisher die klare politische Ansage, sowohl die biologische Landwirtschaft wie auch einzelne kleine Projekte zu unterstützen, wie mehrere TeilnehmerInnen der Veranstaltung deklarieren.

Absatzprogramme wie das „Almschwein“ der Agrarmarketing Tirol mit 270 Tieren pro Jahr können hier maximal als schmückendes Beiwerk des Landes oder des Handels gelten. Insgesamt komme von den großen Budgets der AMT aber viel zu wenig an Wertschöpfung bei viel zu wenig Bauern an. Kritisiert wird an den AMT Programmen im Fleisch- und Milchbereich die oberflächliche Produktedeklaration - die sich laut Aussage von Alexander Walser auch auf „Nachbarschaftskontrolle“ stütze.

Zu Beginn muß die Frage stehen: wieviel muß ein qualitativ hochwertiges landwirtschaftliches Produkt kosten, damit die BäuerInnen davon leben können? Bei 70000 Betten und 9,5 Mio Nächtigungen im Zillertal ergäbe sich so einiges an Potential. Niedrige Rohertragserlöse in der Fleischbranche und der Milchproduktion nehmen aber vielen Bauern nach und nach die Motivation, von der Landwirtschaft zu leben.

Schließlich muß unsere Gesellschaft wieder lernen, nicht nur die sogenannten „Edelteile“ eines Tieres zu bereiten, wertzuschätzen und zu essen. Hier gilt es gezielt entgegenzuwirken. Der gesamte Schlachtkörper „from nose to tail“ muss wieder genußvoll verwertet werden, was anwesenden Köchen und Metzgern im Publikum klar ist. Bewußtseinsbildung und Kenntnisse dazu sind bei den Kunden, den Köchen und dem Gast gefragt.

Um einer regionalen Markenentwicklung unter echter Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tourismus, wie es das Große Walsertal mit dem Bioshärenpark und der darin entwickelten Fleischmarke BIO Walser vormacht, den Weg zu ebnen, braucht es laut Leiterin Christine Klenovec eine „klare Analyse des Umsetzbaren - was ist vorhanden und was ist möglich? - und gemeinsame Lösungen“. Im Zillertal sind die Absatzmöglichkeiten mit Tourismus und Gastronomie ohne Zweifel gegeben, was es braucht sind engagierte Partner, die willens sind eine gleichwertige Kooperation einzugehen – „jemand“ muss die ersten Schritte in die Hand nehmen und das Schaf mitunter von oben zu scheren beginnen. Die Grünen Bäuerinnen und Bauern sind auf jeden Fall KonsumentInnen, die ein Tiroler Schnitzel aus Tirol und nicht aus Norddeutschland essen wollen und ihre Produkte lieber im Zillertal verkaufen als in China.

Für Nachfragen wenden Sie sich bitte an Barbara Czerny, Koordination Grüne Bäuerinnen und Bauern Tirol

Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.