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am 3. Oktober 2016

Bäuerliche Unternehmerkompetenz

Andreas Pillichshammer - Aktuelle Bedürfnisse/Zwänge der Bäuerinnen und Bauern

Seit ich die Bauernpolitik verfolge, beobachte ich einen Trend, wo Bauern eigentlich verunsichert werden; die Zeiten seien nicht mehr so wie früher, weil alles liberalisiert werde und sich der Wind der Konkurrenz und des Wettbewerbes nun auch über den Bauernstand hermache. Liberalisierung quasi als ein natürliches Phänomen, das aus einer Sphäre kommt, auf die man keinen Einfluss hat: EU? Die Welt? Die Globalisierung? Oder einfach die Zeit wie sie sich halt ändert!? 

Um unter den neuen Verhältnissen nicht unter zu gehen, müssen sich die Bauern nun als UnternehmerInnen definieren um ihr Überleben letztlich selbst zu sichern. "Jeder gegen jeden", ist die neue Devise. Die Zeiten, dass die Bauern zusammengehalten haben, sind vorbei, auch wenn es immer wieder beschworen wird. Was die Politik und die Interessensvertretung machen, ist den Bauern einen Crashkurs im Unternehmertum zu verpassen und dann: Ab auf den freien Markt! "Baba und fall nicht", sagt man auf Wienerisch. 

Gedanklich sind die bäuerliche Solidarität ("Zusammenhalten") und die Wettbewerbsfähigkeit, die wir in Unternehmerkursen nun erlernen, ein Widerspruch. Obwohl ich mich selbst zu den unternehmerisch denkenden Bauern zähle, möchte ich diese Haltung nicht zu einem Leitprinzip machen. Ich bin so, weil es meiner Natur entspricht. Andere Bauern sind nicht so und sollen auch nicht so werden müssen - sie werden bei aller Beratung auf die Nase fallen. Wollen wir das?

Interessensvertretung, insbesondere die Beratungsdienste einer Interessensvertretung, sind eher dazu da, jene zu stützen, die es aus eigenen Stücken nicht schaffen. Und noch bevor die Beratung auf den Plan tritt, braucht es die Politik, die stabile Verhältnisse schafft, damit wenig innovativen Bauern ein bescheidenes Auskommen gesichert wird. Die weniger Innovativen brauchen die Interessensvertretung nötiger als die anderen, die Macher kommen eh selber zurecht! Dazu ist Politik da: sie schafft die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, damit es fair abgeht und die weniger Schlauen ebenfalls leben können. In unserem Sozialwesen ist es ja nicht anders. Sozialhilfe bekommen alle - nicht nur die unverschuldet in Not geratenen, die sich redlich bemüht haben, sonden auch jene, die von vorne herein zu patschert sind, sich selbst durch zu bringen. 

Wenn wir nicht aufpassen, dass das Konkurrenzdenken nicht zu sehr überhand nimmt, kommen wir alle unter die Räder. Ich wäre gegenwärtig zum Beispiel nicht gerne ein steirischer Salatbauer, der bald mit dem Sparkonzern konkurrieren muss, welcher ein monströses Glashaus-Projekt mit Erdwärme machen will. Am Ende zählt nur schiere Größe, da können die anderen machen was sie wollen.

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