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21.04.2022 News

#zu­vieli­sa­tion

In der aktuellen Diskussion rund um die Preissteigerungen bei Lebensmitteln fällt auf, dass sich große Verunsicherun breit macht. Zu recht?

 

Ist es nicht eher so, dass die Kosten für Lebensmittelproduktion grundsätzlich als konstante Größe angesehen werden können? Der in den Supermarktregalen angebotene Endpreis spiegelt ja in keinster Weise die tatsächlichen Produktionskosten wider. Es handelt sich dabei vielmehr um jenen Preis, den wir als Gesellschaft bereit sind, für Lebensmittel zu bezahlen. Und dieser Preis liegt seit Jahrzehnten weit unter den tatsächlichen Kosten für Produktion, Verarbeitung und Logistik.

 

Wenn unsere westliche, industrialisierte Landwirtschaft Lebensmittel produziert, werden wesentliche Kostenanteile (die externen Kosten) einfach ausgelagert – an die Herkunftsländer von Rohstoffen, Energieressourcen und Arbeitskräften, an die Gesellschaft ansich und nicht zuletzt an unsere Kinder und Enkelkinder über den Kollateralschaden Klimawandel.

 

Nur indem wir die wesentlichsten Kostenanteile nicht bezahlen, wird der Transport von allem und jedem quer über den Globus ermöglicht. Wie sonst kann es sein, dass in allen Bereichen (Bekleidung, Möbel, Schuhe, Freizeit, Unterhaltung,…) der Diskontgedanke überall die lokalen ProduzentInnen verdrängt hat? Die Produkte aus Irgendwo sind nicht billiger, wir bezahlen nur weniger dafür. Wir verschließen bewusst die Augen davor, dass unser Konsumverhalten und letztendlich auch unser Wohlstand – nicht wie vielfach behauptet auf Leistung – darauf gegründet sind, dass wir den Wert dessen, was wir konsumieren anderen Regionen und Menschen auf dieser Erde schlicht und ergreifend einfach wegnehmen bzw. weggenommen haben.

 

Um zu erkennen, dass ein Städteflug innerhalb Europas nicht 29,– 39,– oder 59,–Euro kosten kann, dazu braucht es weder Finanzmathematik, Wirtschaftsprognosemodelle oder sonstige hochgeistige Wissenschaften. Jeder und jedem bei halbwegs klaren Verstand muss bewusst sein, dass wir uns damit selbst belügen. Man muss es nicht zugeben. Aber man sollte es zumindest tief im Inneren schon verstehen.

 

Angenommen wir würden sämtliche Produkte des täglichen Bedarfs lokal und regional produzieren, die Arbeitskräfte entsprechend entlohnen, die gesamte Wertschöpfung in der Region halten, Tiere artgerecht halten usw., dann hätten unsere Lebensmittel zwar einen höheren Preis am Regal, aber die wahren Kosten wären gleich hoch. Nur die Begünstigten dieser wahren Preise wären wir alle. Auch alle die davon leben. …und schwups, plötzlich wären Bio-Lebensmittel günstiger als die konventionell hergestellten Mogelpackungen, weil in regionaler und biologischer Lebensmittelproduktion schon jetzt ein viel höherer Anteil der tatsächlichen Kosten enthalten ist.

 

Und solange wir Industriestaaten ein Drittel unserer hergestellten Lebensmittel wegwerfen, solange brauchen wir auch nicht von Knappheit, Versorgungsunsicherheit, Produktionssteigerung usw. reden. Wir produzieren schon jahrezehntelang genug Lebensmittel auf dieser Welt. Wir verteilen sie nur nicht.

 

#wasrausmussmussraus #versorgungssicherheit #zuvielisation #biologischundregional

Markus Voglauer

Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern Kärnten

markus.voglauer@gruene.at
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